TagesbogenFasten nach der Uhr

Intervallfasten in Schwangerschaft und Stillzeit

Kurz gesagt

  • Intervallfasten und eigenständige Abnehmpläne sind in Schwangerschaft und Stillzeit keine geeignete Standardempfehlung.
  • Der Bedarf an Vitaminen und Mineralstoffen steigt in der Schwangerschaft, auch wenn die meisten Schwangeren ihre Energiezufuhr nicht steigern müssen.
  • Wer vor dem positiven Schwangerschaftstest gefastet hat, sollte die Einschränkung beenden und das Betreuungsteam informieren.
  • Regelmäßige Mahlzeiten und eine individuelle Ernährungsberatung sind sinnvoller als ein vorgegebenes Fastenfenster.

Für wen eine Fastenkur nicht geeignet ist

Erkrankung oder SituationEinordnung laut Leitlinie
Kachexienicht fasten (Kontraindikation)
Anorexia nervosanicht fasten (Kontraindikation)
dekompensierte Hyperthyreosenicht fasten (Kontraindikation)
fortgeschrittene zerebro-vaskuläre Insuffizienz bzw. Demenznicht fasten (Kontraindikation)
fortgeschrittene Leber- oder Niereninsuffizienznicht fasten (Kontraindikation)
Schwangerschaft und Stillzeitnicht fasten (Kontraindikation)
Suchterkrankungennur mit erfahrenen Fastenärztinnen und -ärzten
Diabetes mellitus Typ Inur mit erfahrenen Fastenärztinnen und -ärzten
Psychosennur mit erfahrenen Fastenärztinnen und -ärzten
bösartige Erkrankungennur mit erfahrenen Fastenärztinnen und -ärzten
fortgeschrittene koronare Herzerkrankungnur mit erfahrenen Fastenärztinnen und -ärzten
Netzhautablösungnur mit erfahrenen Fastenärztinnen und -ärzten
Ulcus ventriculi et/ut duodeninur mit erfahrenen Fastenärztinnen und -ärzten

Quelle: Ärztegesellschaft Heilfasten und Ernährung, Leitlinien zur Fastentherapie 2002, 3.1 Kontraindikationen für eine Fastentherapie; 3.2 Risikoindikationen bzw. -begleitdiagnosen für eine Fastentherapie (aerztegesellschaft-heilfasten.de)

Intervallfasten in der Schwangerschaft und Stillzeit ist keine geeignete Standardempfehlung, ebenso wenig ein eigenständiger Abnehmplan. Vorrang haben eine ausreichende Nährstoffversorgung und die Gesundheit von Mutter und Kind. Wenn Sie bisher gefastet haben, beenden Sie diese Einschränkung und besprechen Sie Ihre Essenszeiten mit Ihrem Betreuungsteam.

Warum steigt in Schwangerschaft und Stillzeit der Beratungsbedarf?

Schwangerschaft und Stillzeit verändern den Bedarf an Energie sowie an lebenswichtigen Nährstoffen. Laut DGE ist es für die meisten Schwangeren nicht nötig, die Energiezufuhr zu steigern, während der Bedarf an einzelnen Vitaminen und Mineralstoffen im Verhältnis zum Energiebedarf deutlich stärker steigt. Zu den kritischen Nährstoffen zählt die DGE Folsäure, Jod, DHA, Vitamin D und Eisen.

In einer Studie mit gesunden Frauen im dritten Schwangerschaftsdrittel (Metzger und Mitarbeitende, Lancet 1982) wurde nach dem Abendessen bis zum Mittag des nächsten Tages nichts gegessen. Bei den Schwangeren fiel der Blutzucker weiter ab, und freie Fettsäuren sowie Ketonkörper, also Stoffwechselprodukte des Fettabbaus, stiegen an; bei Nichtschwangeren blieben die Werte weitgehend gleich. Die Autoren folgern, dass ein ausgelassenes Frühstück in der späten Schwangerschaft zu vermeiden ist, wenn man eine Ketonämie vermeiden will.

In der Stillzeit ist der Bedarf an Energie, Protein, Vitaminen und Mineralstoffen laut DGE infolge der Milchbildung erhöht. Bei starkem Gewichtsverlust in der Stillzeit finden sich laut Bayerischem Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit höhere Gehalte fettlöslicher Fremdstoffe in der Muttermilch, weil sie sich im verbleibenden Fettgewebe stärker konzentrieren. Daraus folgt keine Empfehlung, das Stillen zu beenden.

Bestehen Vorerkrankungen, nehmen Sie Medikamente ein oder gab es eine Essstörung, ist eine ärztliche Abklärung unverzichtbar. Auch Ängste vor einer Gewichtszunahme dürfen Sie im Gespräch mit dem Betreuungsteam offen ansprechen.

Warum gibt es hier keinen Fastenstundenplan?

Ein fixes Essensfenster berücksichtigt weder Ihren wechselnden Bedarf noch Übelkeit, Erbrechen oder verordnete Medikamenteneinnahmen ausreichend. Deshalb finden Sie hier keinen Einstiegsplan, keine Steigerung und keine vermeintlich sichere Stundenzahl.

Festgehalten ist: Die DGE verweist für Schwangere auf bundesweite Handlungsempfehlungen zu einer ausgewogenen Ernährung, geplante Fastenzeiten sind darin nicht vorgesehen. Das Gesundheitsportal gesundheit.gv.at nennt Schwangere und Stillende unter den Gruppen, für die Fasten nicht geeignet ist, und die Leitlinie der Ärztegesellschaft Heilfasten und Ernährung von 2002 führt Schwangerschaft und Stillzeit als Kontraindikation. Das sind Fachempfehlungen, keine randomisierte kontrollierte Studie; eine Fastengruppe unter Schwangeren zufällig zuzuteilen, wäre ethisch kaum vertretbar.

Begrenzt ist die Studienlage. Die genannte Untersuchung betrachtete eine einzelne verlängerte Nüchternzeit und nicht Fastenfenster im Alltag; sie liefert weder eine unbedenkliche Stundengrenze noch die genauen Folgen einzelner Fastenintervalle. Studienergebnisse zu gesunden Erwachsenen beantworten die Frage nach der Sicherheit in der Schwangerschaft nicht.

Für Entschlacken, Entgiften oder Entsäuern durch Fasten gibt es laut gesundheit.gv.at keine wissenschaftlichen Belege. Auch ausgewogene Mahlzeiten innerhalb eines kurzen Zeitfensters beweisen nicht, dass ein solches Vorgehen für Mutter und Kind sicher ist.

Was tun, wenn ich vor dem positiven Test gefastet habe?

Ob ein Fastenfenster Folgen hatte, lässt sich nur individuell beurteilen. Entscheidend sind jetzt regelmäßige Mahlzeiten und eine offene Rückmeldung an Ihre betreuende Praxis.

Beenden Sie geplante Fastenpausen und setzen Sie keinen Abnehmplan fort. Notieren Sie für das Gespräch, wann und wie lange Sie gefastet haben und ob Beschwerden aufgetreten sind. Beginnen Sie keine zusätzliche Ausgleichsdiät, ohne das ärztlich zu besprechen.

Klären Sie zeitnah, ob Ihre Versorgung mit Folsäure und weiteren wichtigen Mikronährstoffen abgesichert ist. Das BfR empfiehlt Folsäure, weil sie das Risiko für Neuralrohrdefekte senken kann; die Einnahme sollte ab Kinderwunsch beginnen und bis zum Ende des ersten Schwangerschaftsdrittels fortgesetzt werden. Auch die Einnahme von Jodpräparaten sollten Sie abstimmen, besonders bei bekannten Erkrankungen der Schilddrüse, wie die DGE rät.

Welche Beschwerden müssen zeitnah abgeklärt werden?

Warten Sie nicht auf die nächste Routineuntersuchung, wenn Erbrechen die Aufnahme von Nahrung oder Flüssigkeit verhindert. Auch ein rascher ungewollter Gewichtsverlust, dunkler Harn und spürbarer Schwindel beim Aufstehen verlangen eine rasche ärztliche Kontrolle. Auch ein nach Aceton riechender Atem sollte medizinisch abgeklärt werden.

Anhaltendes, schweres Schwangerschaftserbrechen wird in der Medizin als Hyperemesis gravidarum bezeichnet. Es darf nicht als gewöhnliche morgendliche Übelkeit abgetan werden und gehört ärztlich abgeklärt. Auch Verwirrtheit ist ein ernstes Warnsignal.

Bei Ohnmacht, einem Kollaps, plötzlich starken Unterbauchschmerzen oder vaginalen Blutungen rufen Sie in Österreich sofort die Rettung unter 144. Spürbar nachlassende oder ausbleibende Kindsbewegungen erfordern umgehend eine geburtshilfliche Abklärung, sofern Sie diese Bewegungen bereits regelmäßig wahrnehmen. Bei gesundheitlicher Unsicherheit ohne akute Notlage erreichen Sie die telefonische Gesundheitsberatung rund um die Uhr unter 1450.

Wer hilft bei religiösem Fasten und Ernährungsfragen?

Ihre betreuende Ärztin, Ihr betreuender Arzt oder Ihre Hebamme bilden die erste Anlaufstelle für gesundheitliche Fragen. Diätologinnen und Diätologen unterstützen bei einer bedarfsgerechten Ernährung, vor allem bei Vorerkrankungen oder eingeschränkter Nahrungsauswahl.

Bei religiösem Fasten, etwa im Ramadan, fragen Sie Ihre Glaubensgemeinschaft nach Ausnahmen und Ersatzregeln für Schwangere und Stillende. Die medizinische Beurteilung und die religiöse Begleitung ergänzen einander, ersetzen sich jedoch nicht.

In Österreich können Schwangere zwischen der 18. und 22. Schwangerschaftswoche eine kostenlose Hebammenberatung im Rahmen des Eltern-Kind-Passes nutzen. Die Bundesinitiative „Richtig essen von Anfang an!“ bietet zudem kostenlose Ernährungsworkshops für werdende Eltern an. Beide Angebote helfen dabei, offene Fragen in Ruhe und ohne Fastendruck zu besprechen.

Welche nicht restriktiven Alternativen kann ich besprechen?

Sinnvoller als ein starres Fastenfenster ist ein Mahlzeitenrhythmus, der Nährstoffbedarf, Beschwerden und Ihren Alltag verbindet. Besprechen Sie regelmäßige Hauptmahlzeiten und kleine Zwischenmahlzeiten, ohne Hungergefühle bewusst auszuhalten. Bei starker Schwangerschaftsübelkeit lässt sich gemeinsam eine bekömmliche Verteilung über den gesamten Tag erarbeiten.

Die folgende Übersicht hilft Ihnen, das nächste Gespräch in der Praxis gezielt vorzubereiten. Sie müssen dafür weder Kalorien zählen noch Beschwerden erst über Tage hinweg beobachten.

Thema Diese Angaben nehmen Sie mit Das können Sie fragen
Essenszeiten Erste und letzte Mahlzeit, ausgelassene Mahlzeiten, bisherige Fastenphasen Welche Verteilung passt zu meinem Bedarf und Alltag?
Beschwerden Schwindel, Zittern, Erbrechen, Trinkmenge und Veränderungen des Harns Muss etwas sofort untersucht werden?
Medikamente Präparate, Dosierungen und Einnahmezeiten, einschließlich Nahrungsergänzungen Welche Abstände und Ergänzungen sind tatsächlich erforderlich?
Gewicht und Körperbild Ungewollte Veränderungen, Gewichtsängste, frühere Essstörungen Welche Unterstützung hilft ohne zusätzlichen Kontrollzwang?
Religiöse Vorhaben Geplante Nahrungskarenz und Verzicht auf Flüssigkeit Welche gesundheitlichen Bedenken und Ausnahmen soll ich besprechen?

Steht ein Test auf Schwangerschaftsdiabetes an, erfragen Sie die genauen Vorbereitungsvorgaben direkt in der betreuenden Ordination. Verändern Sie Ihre Ernährung vor solchen Untersuchungen keinesfalls durch eigenmächtige Fastenregeln.

Häufige Fragen

Gelten allgemeine Intervallfasten-Regeln für Frauen auch in der Schwangerschaft?

Nein. Allgemeine Regeln für gesunde, nicht schwangere Erwachsene lassen sich nicht auf Schwangerschaft und Stillzeit übertragen. Auch frühere gute Verträglichkeit belegt keine Sicherheit in dieser Lebensphase.

Darf ich wegen einer nüchternen Medikamenteneinnahme länger fasten?

Eine verordnete Nüchterneinnahme ist kein Intervallfastenplan. Klären Sie Einnahmeabstände und Mahlzeiten mit der betreuenden Praxis oder Apotheke. Ändern Sie Medikamente oder Dosierungen nicht eigenständig.

Kann Basenfasten eine schonendere Alternative sein?

Eine einschränkende Basenfastenkur ist ebenfalls keine geeignete Standardempfehlung. Gemüse und Obst können zu einer ausgewogenen Ernährung gehören, ohne andere Lebensmittelgruppen auszuschließen. Eine behauptete Entgiftung rechtfertigt keine Restriktion.

Weiterlesen

Woher wir das wissen

  1. Ernährung in Schwangerschaft und Stillzeit | DGE
  2. Fasten | Gesundheitsportal
  3. Leitlinien zur Fastentherapie 2002 | Ärztegesellschaft Heilfasten und Ernährung
  4. Metzger BE et al.: "Accelerated starvation" and the skipped breakfast in late normal pregnancy, Lancet 1982 | PubMed
  5. Schwangere | BfR
  6. Welche Ursachen beeinflussen die Muttermilchbelastung der einzelnen Mutter? | LGL Bayern
  7. Hebammenberatung mit Eltern-Kind-Pass kostenlos | Österreichisches Hebammengremium
  8. Richtig essen von Anfang an!
  9. Richtig essen von Anfang an! | ÖGK
  10. Notruf und Ärztefunkdienst | Gesundheitsportal
  11. 1450 Die Rund-um-die-Uhr-Gesundheitsberatung

Diese Informationen ersetzen keine ärztliche Beratung oder Behandlung. Bei Erkrankungen, Medikamenteneinnahme, Schwangerschaft, Stillzeit oder Essstörungen sollten Sie nicht auf eigene Faust fasten. Bei gesundheitlichen Fragen erreichen Sie in Österreich die Gesundheitsberatung unter 1450, bei einem medizinischen Notfall die Rettung unter 144 oder den Euronotruf unter 112.