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Sicher fasten: Gegenanzeigen und Warnzeichen
Welche Nebenwirkungen beim Fasten auftreten, wer nicht eigenständig beginnen sollte und wann Sie in Österreich ärztliche Hilfe, 1450 oder Notruf 144 brauchen.
Kurz gesagt
- Fasten bedeutet, für begrenzte Zeit vollständig oder weitgehend auf Nahrung zu verzichten.
- Leitlinien nennen klare Gegenanzeigen; die langfristigen gesundheitlichen Vorteile des Intervallfastens sind hingegen nicht eindeutig belegt.
- Bei Schwangerschaft, Stillzeit, Untergewicht oder Essstörungen sollten Sie nicht eigenständig fasten.
- Prüfen Sie vor dem Beginn Erkrankungen und Medikamente; bei akuten Warnzeichen beenden Sie das Fasten und holen Hilfe.
Für wen eine Fastenkur nicht geeignet ist
| Erkrankung oder Situation | Einordnung laut Leitlinie |
|---|---|
| Kachexie | nicht fasten (Kontraindikation) |
| Anorexia nervosa | nicht fasten (Kontraindikation) |
| dekompensierte Hyperthyreose | nicht fasten (Kontraindikation) |
| fortgeschrittene zerebro-vaskuläre Insuffizienz bzw. Demenz | nicht fasten (Kontraindikation) |
| fortgeschrittene Leber- oder Niereninsuffizienz | nicht fasten (Kontraindikation) |
| Schwangerschaft und Stillzeit | nicht fasten (Kontraindikation) |
| Suchterkrankungen | nur mit erfahrenen Fastenärztinnen und -ärzten |
| Diabetes mellitus Typ I | nur mit erfahrenen Fastenärztinnen und -ärzten |
| Psychosen | nur mit erfahrenen Fastenärztinnen und -ärzten |
| bösartige Erkrankungen | nur mit erfahrenen Fastenärztinnen und -ärzten |
| fortgeschrittene koronare Herzerkrankung | nur mit erfahrenen Fastenärztinnen und -ärzten |
| Netzhautablösung | nur mit erfahrenen Fastenärztinnen und -ärzten |
| Ulcus ventriculi et/ut duodeni | nur mit erfahrenen Fastenärztinnen und -ärzten |
Quelle: Ärztegesellschaft Heilfasten und Ernährung, Leitlinien zur Fastentherapie 2002, 3.1 Kontraindikationen für eine Fastentherapie; 3.2 Risikoindikationen bzw. -begleitdiagnosen für eine Fastentherapie (aerztegesellschaft-heilfasten.de)
Wer beim Fasten Nebenwirkungen bemerkt, erlebt mitunter milde Beschwerden wie Frösteln oder Kopfschmerzen. Bestimmte Symptome oder Vorerkrankungen erfordern jedoch eine rasche medizinische Abklärung statt eines allgemeinen Fastenplans. Bei akuten Warnzeichen wie Bewusstlosigkeit, Brustschmerzen, Atemnot oder Verwirrtheit rufen Sie sofort die Rettung unter Notruf 144.
Wer sollte nicht eigenständig fasten?
Beginnen Sie bei Untergewicht, bekannten Essstörungen, Schwangerschaft oder Stillzeit nicht auf eigene Faust. Das gilt ebenso für Kinder und Jugendliche, ältere Menschen sowie für Menschen mit Typ-1-Diabetes, Leber- oder Nierenerkrankungen. In der Schwangerschaft und Stillzeit ist Fasten generell ungeeignet, auch in Form von stundenweisem Intervallfasten.
Die ÄGHE-Konsensusleitlinie von 2002 nennt in Abschnitt 3.1 unter anderem fortgeschrittene Leber- und Niereninsuffizienz als Gegenanzeigen. Dazu zählen auch Kachexie, also eine schwere körperliche Auszehrung, sowie Anorexia nervosa, die Magersucht. Liegen solche Diagnosen vor, gelten sie nach dieser Leitlinie als Kontraindikation für eine Fastentherapie.
Die folgende Übersicht ordnet typische Risiken ein und zeigt, wann Sie medizinischen Rat einholen müssen.
| Ebene | Beispiele | Was Sie tun sollten |
|---|---|---|
| Nicht eigenständig beginnen | Untergewicht, Essstörungen, Schwangerschaft, Stillzeit, Minderjährigkeit, höheres Alter, Typ-1-Diabetes, Leber- oder Nierenerkrankung | Nicht starten. Erkrankungen fachärztlich beurteilen lassen; bei Gegenanzeigen auf Fasten verzichten. |
| Vorab ärztlich abklären | Stabile chronische Erkrankung, Blutdruckmittel, Entwässerungsmittel oder andere Dauermedikamente | Vor Beginn die Ordination kontaktieren und den vollständigen Medikamentenplan besprechen. |
| Akut Hilfe holen | Kollaps, Brustschmerz, Atemnot, Verwirrtheit, anhaltendes Herzrasen oder starkes Erbrechen | Fasten sofort beenden. Bei Notfallzeichen 144, bei unklaren Beschwerden ohne Notfallzeichen 1450 wählen. |
Für besondere Lebensphasen finden Sie Näheres zu Intervallfasten in Schwangerschaft und Stillzeit.
Welche Risiken bestehen bei Diabetes, Nierenkrankheiten und Bluthochdruck, und welche Medikamente müssen geprüft werden?
Bei Diabetes kann Fasten unter Insulin oder bestimmten Tabletten das Risiko für Unterzuckerungen erhöhen. Laut ÖGE besteht beim Anstieg der Ketonkörper außerdem das Risiko einer Ketoazidose, einer Stoffwechselentgleisung. SGLT2-Hemmer, auch Gliflozine genannt, können laut einer Übersichtsarbeit bei Nahrungskarenz eine Ketoazidose mit vergleichsweise niedrigem Blutzucker auslösen.
Bei Nierenerkrankungen ist Fasten laut gesundheit.gv.at nicht geeignet. Zu den Risiken strengen Fastens zählen dort ein Ungleichgewicht im Elektrolythaushalt, Kreislaufprobleme und Schwindel. Unter Blutdruckmitteln und Entwässerungstabletten kann Fasten Kreislauf und Nieren zusätzlich belasten, deshalb sind ärztliche Rücksprache und gegebenenfalls Anpassungen nötig.
Die ÄGHE-Konsensusleitlinie von 2002 führt in Abschnitt 3.3 unter anderem folgende Arzneimittel als Problemmedikationen beim Fasten auf:
- Diabetesmittel, Blutdrucksenker und Diuretika, also entwässernde Medikamente.
- Gerinnungshemmer, Kortisonpräparate und bestimmte entzündungshemmende Schmerzmittel.
- Psychopharmaka, insbesondere Lithium, sowie Medikamente gegen epileptische Anfälle.
Setzen Sie verordnete Medikamente niemals eigenmächtig ab und verändern Sie keinesfalls die Dosierung. Ob Kontrollen oder Dosisanpassungen nötig sind, entscheidet ausschließlich Ihre behandelnde Ärztin oder Ihr Arzt. Mehr zu diesem Thema erläutert die Seite Fasten nach Alter und Medikamenteneinnahme.
Was gilt bei Untergewicht, Essstörungen und psychischer Belastung?
Die DGE weist darauf hin, dass ein sehr rigides Essverhalten mit extrem niedriger Protein- und Energiezufuhr die Gefahr von Essstörungen erhöhen kann. Bei einer Essstörung oder dem Verdacht darauf sollten Sie deshalb nicht eigenständig mit dem Fasten beginnen.
Bei ausgeprägter psychischer Belastung sollten Sie zuerst professionelle ärztliche oder psychotherapeutische Unterstützung in Anspruch nehmen. Bei Essstörungen wie Magersucht oder Bulimie rät das durch die Österreichische Gesellschaft für Ernährung fachlich geprüfte österreichische Gesundheitsportal ausdrücklich vom Fasten ab; bei Psychosen nennt die ÄGHE-Leitlinie von 2002 eine Risikodiagnose, bei der eine Behandlung nur durch erfahrene Fastenärztinnen und Fastenärzte erfolgen sollte. Das bloße Körpergewicht sagt noch nicht zuverlässig aus, ob eine Fastenmethode gesundheitlich unbedenklich ist.
Welche Beschwerden sind keine harmlose Fastenkrise, und wann helfen 144 oder 1450?
Verminderte Leistungsfähigkeit und vermehrtes Kälteempfinden nennt gesundheit.gv.at als mögliche Folgen strengen Fastens, in Studien zum Intervallfasten wurden leichte Kopfschmerzen berichtet. Anhaltende, zunehmende oder starke Beschwerden dürfen Sie jedoch keinesfalls als scheinbar normale Fastenkrise aussitzen.
Rufen Sie bei Bewusstlosigkeit, Brustschmerzen, akuter Atemnot oder ausgeprägter Verwirrtheit sofort die Rettung unter 144. Auch anhaltendes Herzrasen, ein unregelmäßiger Puls, heftige Bauchschmerzen oder wiederholtes Erbrechen verlangen den sofortigen Fastenabbruch. Solche Symptome erfordern eine umgehende medizinische Untersuchung in einer Notaufnahme oder Ordination.
Die telefonische Gesundheitsberatung 1450 informiert in Österreich rund um die Uhr bei unklaren Beschwerden ohne akute Notfallzeichen. Treten jedoch lebensbedrohliche Warnzeichen auf, wählen Sie ohne Zeitverlust direkt den Notruf 144.
Gesichert sind die Gegenanzeigen aus Leitlinien sowie die genannten Warnzeichen für einen sofortigen Abbruch. Begrenzte Evidenz besteht für langfristige gesundheitliche Effekte, da viele Daten zum Heilfasten aus Beobachtungsstudien stammen. Wissenschaftlich völlig unbelegt ist die Behauptung, auftretende Beschwerden zeigten eine angebliche Entschlackung des Körpers an.
Häufige Fragen
Ist Intervallfasten gesund?
Nicht grundsätzlich für jede Person. Laut österreichischem Gesundheitsportal ist Intervallfasten beim Abnehmen herkömmlicher Kalorienbeschränkung nicht überlegen, Stand Mai 2025. Vorteile für Herz-Kreislauf-Vorbeugung und Blutzucker sind nicht eindeutig belegt. Entscheidend bleiben Gesundheitszustand, Medikamente und eine ausreichende Ernährung.
Warum sind Schwangerschaft, Stillzeit und Minderjährigkeit besonders zu berücksichtigen?
Für Schwangere und Stillende ist Fasten laut gesundheit.gv.at nicht geeignet, ebenso nicht für Kinder und Jugendliche. Die ÖGE rät diesen Gruppen ebenfalls vom Fasten ab. Bei Fragen zur Ernährung wenden Sie sich an Ihre betreuende Ärztin oder Ihren betreuenden Arzt.
Kann ich richtig heilfasten, indem ich einen Plan für zu Hause befolge?
Ein Ablaufplan ersetzt weder die Prüfung von Gegenanzeigen noch eine notwendige medizinische Begleitung. Heilfasten zu Hause ist bei Erkrankungen oder Medikamenteneinnahme kein geeignetes Selbstbehandlungsprojekt. Auch ein unauffälliger Selbstcheck bedeutet keine automatische Eignungsfreigabe.
Alle Ratgeber zu diesem Thema
Woher wir das wissen
- Leitlinien zur Fastentherapie 2002 (PDF) – Ärztegesellschaft Heilfasten & Ernährung e. V.
- Fasten | Gesundheitsportal
- Fasten | ÖGE
- Entgiftungsdiäten | DGE
- Gesundheitsberatung 1450
- Rettung im Notfall – Rotes Kreuz
- Fasten und Medikamente: Was man beachten sollte | sicherversorgt.at
- Läkartidningen 2024: SGLT2-Hemmer und Ketoazidose (Übersichtsarbeit, Abstract)
- Beugt die Beschränkung der Essenszeiten (Intervallfasten) Herz-Kreislauf-Erkrankungen vor? | Cochrane
Diese Informationen ersetzen keine ärztliche Beratung oder Behandlung. Bei Erkrankungen, Medikamenteneinnahme, Schwangerschaft, Stillzeit oder Essstörungen sollten Sie nicht auf eigene Faust fasten. Bei gesundheitlichen Fragen erreichen Sie in Österreich die Gesundheitsberatung unter 1450, bei einem medizinischen Notfall die Rettung unter 144 oder den Euronotruf unter 112.