Fastenzeit im Christentum: Bedeutung und Praxis
Kurz gesagt
- Die Fastenzeit im Christentum dient der Vorbereitung auf Ostern durch Verzicht, Gebet und Teilen.
- Die westliche Tradition zählt 40 Fasttage; Sonntage sind davon ausgenommen.
- In Österreich sind Aschermittwoch und Karfreitag katholische Fast- und Abstinenztage, mit gesundheitlichen Ausnahmen.
- Bei Erkrankungen, Medikamenteneinnahme oder möglicher Alkoholabhängigkeit geht medizinische Sicherheit vor religiösen Verzichtsplänen.
Fastenzeit 2027 auf einen Blick
46 Kalendertage von Aschermittwoch, 10. Februar 2027, bis Karsamstag, 27. März 2027. Die sechs Sonntage zählen traditionell nicht mit – so kommen die 40 Fastentage zustande. Ostersonntag ist der 28. März 2027.
Quelle: kirchenjahr-evangelisch.de
- Mi., 10. Feb.
- Do., 11. Feb.
- Fr., 12. Feb.
- Sa., 13. Feb.
- So., 14. Feb., Sonntag, zählt nicht
- Mo., 15. Feb.
- Di., 16. Feb.
- Mi., 17. Feb.
- Do., 18. Feb.
- Fr., 19. Feb.
- Sa., 20. Feb.
- So., 21. Feb., Sonntag, zählt nicht
- Mo., 22. Feb.
- Di., 23. Feb.
- Mi., 24. Feb.
- Do., 25. Feb.
- Fr., 26. Feb.
- Sa., 27. Feb.
- So., 28. Feb., Sonntag, zählt nicht
- Mo., 1. März
- Di., 2. März
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- So., 14. März, Sonntag, zählt nicht
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- Mi., 17. März
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- Sa., 20. März
- So., 21. März, Sonntag, zählt nicht
- Mo., 22. März
- Di., 23. März
- Mi., 24. März
- Do., 25. März
- Fr., 26. März
- Sa., 27. März
Die Fastenzeit im Christentum bereitet auf Ostern vor und verbindet Verzicht mit Gebet und sozialem Teilen. Katholische, evangelische und orthodoxe Kirchen gestalten diese Wochen unterschiedlich aus. In Österreich gelten für katholische Gläubige an Aschermittwoch und Karfreitag besondere Speiseregeln, für die jedoch wichtige gesundheitliche Ausnahmen bestehen.
Was bedeutet die Fastenzeit im Christentum, und wie lange dauert sie?
Die christliche Fastenzeit lädt Gläubige dazu ein, alltägliche Gewohnheiten zu überdenken und persönliche Prioritäten neu zu ordnen. Sie dient der geistlichen Vorbereitung auf Ostern und verlangt keineswegs einen mehrwöchigen vollständigen Nahrungsverzicht.
Die westliche Kirchentradition zählt laut Diözese St. Pölten vierzig Fasttage. Dieser Zeitraum erinnert an das vierzigtägige Fasten Jesu in der Wüste. Dahinter steht auch die vierzigjährige Wüstenwanderung des Volkes Israel in den biblischen Berichten. Weil die Sonntage nicht als Fastentage gezählt werden, erstrecken sich die vierzig Fasttage über 46 Kalendertage von Aschermittwoch bis Karsamstag.
Die konkreten Termine für das jeweilige Kalenderjahr finden Sie im Kalender zur Fastenzeit 2027.
Welche gesundheitlichen Ausnahmen und Altersgrenzen gelten?
Die eigene Gesundheit hat Vorrang vor jedem religiösen Fastenvorhaben. Bei bestehenden Vorerkrankungen oder regelmäßiger Medikamenteneinnahme sollten Sie geplante Einschränkungen immer vorab ärztlich abklären. Dies gilt besonders bei Diabetes mellitus, Gicht sowie Erkrankungen von Nieren, Leber oder bei Krebserkrankungen. Verändern Sie verordnete Medikamente oder deren Einnahmezeitpunkte keinesfalls eigenmächtig.
Für Schwangere und Stillende ist Fasten laut gesundheit.gv.at nicht geeignet, ebenso für Menschen mit Essstörungen. Verzichten Sie in diesen Fällen auf feste Verzichtsregeln beim Essen. Wählen Sie in diesem Fall Formen ohne Nahrungseinschränkung und nehmen Sie bei Bedarf professionelle Hilfe in Anspruch.
Laut katholisch.at sollen Kinder, Kranke, Reisende und körperlich schwer Arbeitende nicht fasten, Jugendliche unter 18 Jahren nur eingeschränkt.
Das katholische Kirchenrecht unterscheidet in Canon 1252 zwei Pflichten nach dem Lebensalter. Das Fastengebot bindet Volljährige bis zum Beginn des 60. Lebensjahres; katholisch.at nennt das vollendete 18. Lebensjahr als Beginn. Das Abstinenzgebot zum Fleischverzicht gilt ab dem vollendeten 14. Lebensjahr ohne festgelegte Altersobergrenze.
Die Abstinenzpflicht fordert Fleischverzicht, verlangt aber keine geringere Nahrungsmenge über den Tag. Die Katholische Jungschar Österreich weist darauf hin, dass Minderjährige laut Kirchenrecht vom Fastengebot ausgenommen sind, und rät medizinisch dringend davon ab, bei Kindern ausgewogene Nahrung zu reduzieren.
Was unterscheidet Fasten und Abstinenz in katholischen Regeln?
Im katholischen Kirchenrecht bezeichnet Abstinenz den Verzicht auf Fleischspeisen oder eine andere Speise, Fasten die Beschränkung der Speisemenge. Beides bedeutet nicht, den ganzen Tag nichts zu essen.
An den Fasttagen sieht die österreichische Ordnung vor, dass sich Gläubige nur einmal sättigen; nach den ursprünglichen Regeln kommen zwei kleine Stärkungen hinzu. Aschermittwoch und Karfreitag verbinden dieses Gebot der Mengenbeschränkung mit der Fleischabstinenz, sofern keine gesundheitliche Befreiung greift.
Nach der österreichischen Buß- und Fastenordnung von 1994 gedenken Katholiken das ganze Jahr hindurch am Freitag der Passion des Herrn durch ein Bußwerk eigener Wahl. Eine Verpflichtung, während der gesamten vierzig Tage täglich weniger Kalorien aufzunehmen, existiert im katholischen Regelwerk nicht.
Wie unterscheiden sich katholische, evangelische und orthodoxe Praxis?
Die christlichen Konfessionen unterscheiden klar zwischen kirchenrechtlichen Verpflichtungen, allgemeinen Empfehlungen und persönlich gewählten Schwerpunkten. Die orthodoxe Fastenordnung gilt als deutlich strenger als die katholische; setzen Sie sie bei Vorerkrankungen oder Medikamenteneinnahme nicht ohne ärztlichen Rat um.
| Konfession und Quellenbasis | Verpflichtende Regeln | Empfehlungen | Individuelle Praxis |
|---|---|---|---|
| Römisch-katholisch in Österreich: Kirchenrecht und österreichische Fastenordnung | Aschermittwoch und Karfreitag: Fasten und Fleischabstinenz mit Altersgrenzen und Ausnahmen. Freitags: Bußwerk eigener Wahl. | Verzicht mit Gebet und Unterstützung Notleidender verbinden; gesundheitliche Befreiungen annehmen. | Süßigkeitenverzicht, Medienpausen, Spenden oder Autofasten. |
| Evangelisch: kirchliche Informationen zur Passionszeit | Keine verbindlichen Fastengesetze oder vorgeschriebenen Speiseverbote. | Freiwillige Besinnung und Neuorientierung im Glauben. | „7 Wochen Ohne“, tägliche Beschäftigung mit einer Bibelstelle, Verzicht auf bestimmte Gewohnheiten. |
| Orthodox: kirchliche Informationen zur Großen Fastenzeit | Beginn am Reinen Montag. Keine tierischen Erzeugnisse: Fleisch, Milchprodukte, Eier und Fisch; am Reinen Montag und Karfreitag soll ganz auf Essen verzichtet werden. | Bei Krankheit oder Medikamenteneinnahme vorab ärztlich abklären. | Fastenzeiten auch vor Weihnachten und im August; mittwochs und freitags meist Fasttage. |
Im evangelischen Verständnis ist Fasten laut EKD kein religiöses Werk, das Sündenvergebung erwirkt, sondern eine Hilfe zur Konzentration auf das Wesentliche. Die Reformatoren lehnten den Fastenzwang ab; Fasten bleibt laut EKD in Freiheit sinnvoll.
Welche Rolle spielen Gebet, Teilen und Verzicht?
Die christliche Fastentradition stützt sich klassischerweise auf drei Säulen: das Fasten, das Gebet und das Almosengeben. Mit Almosen sind Werke der Nächstenliebe gemeint, etwa die finanzielle oder tatkräftige Unterstützung hilfsbedürftiger Mitmenschen. Wichtig ist laut Diözese St. Pölten, dass Verzichtsformen nicht äußerlich bleiben, sondern Konsequenzen für das Leben, die Ethik und den Glauben haben.
Sie können beispielsweise tägliche Medienzeiten bewusst kürzen, um freie Zeit für stille Lesungen oder persönliche Gebete zu gewinnen. Durch Konsumverzicht eingespartes Haushaltsgeld lässt sich gezielt an anerkannte Hilfsorganisationen spenden. Wer aufgrund von Vorerkrankungen keine Speisen einschränken darf, kann sich vollwertig auf diese sozialen und spirituellen Handlungen konzentrieren.
Für die praktische Planung im Kalenderjahr bieten sich die Termine von Aschermittwoch bis Ostern 2027 als verlässlicher zeitlicher Rahmen an. Bei der individuellen Gestaltung empfiehlt es sich, wenige erreichbare Ziele auszuwählen, anstatt zu viele Gewohnheiten gleichzeitig aufzugeben.
Welche Ideen für Zucker-, Alkohol- oder Fleischverzicht sind sinnvoll?
Vor jedem geplanten Verzicht auf Alkohol ist eine gewissenhafte Sicherheitsprüfung unerlässlich. Wer gewohnheitsmäßig täglich Alkohol trinkt oder bei Trinkpausen innere Unruhe, Zittern oder Schlafstörungen verspürt, sollte keinen unbegleiteten Konsumstopp durchführen. Besprechen Sie ein solches Vorhaben vorab mit einer Ärztin, einem Arzt oder einer spezialisierten Beratungsstelle.
Wissenschaftlich gesichert ist laut S3-Leitlinie zu alkoholbezogenen Störungen: Ein abrupter Entzug bei körperlicher Abhängigkeit kann lebensbedrohliche Komplikationen hervorrufen. Treten nach einem Konsumstopp starkes Zittern, Verwirrtheit, Halluzinationen, Herzrasen oder Krampfanfälle auf, rufen Sie in Österreich sofort die Notrufnummer 144 oder 112.
Liegen keine solchen Risiken vor, können gesunde Erwachsene für die Dauer der Fastenwochen einzelne Konsumgewohnheiten gezielt modifizieren:
Beim Verzicht auf Süßwaren lassen Sie gewohnte zuckerreiche Snacks weg, behalten Ihre regulären Hauptmahlzeiten jedoch unverändert bei.
Beim Fleischverzicht ersetzen Sie Fleischanteile durch vollwertige pflanzliche Alternativen, etwa durch Linsengerichte mit Erdäpfeln und Gemüse.
Beim freiwilligen Alkoholverzicht greifen Sie im Alltag konsequent auf Leitungswasser, Mineralwasser oder ungesüßte Kräutertees zurück.
Brechen Sie freiwillige Einschränkungen bei anhaltendem Schwindel, Kreislaufschwäche oder aufkommenden zwanghaften Gedanken rund um das Essen umgehend ab. Wenden Sie sich bei fortbestehenden Beschwerden an eine ärztliche Praxis.
Für gesundheitliche Vorzüge des religiösen Fastens nennen die hier verwendeten Quellen keine Belege; laut gesundheit.gv.at sind viele mögliche gesundheitliche Wirkungen des Fastens wissenschaftlich nicht eindeutig belegt.
Vollkommen unbelegt sind populäre Behauptungen, durch kirchliche Fastenregeln ließen sich angebliche Schlacken aus dem Körper entfernen. Laut gesundheit.gv.at ist „Schlacken“ kein medizinischer Begriff, und es gibt keinen wissenschaftlichen Hinweis auf Schlacken im Körper. Als wichtigste Entgiftungsorgane nennt das Portal Leber, Niere, Darm, Haut und Lunge. Ein religiös motivierter Verzicht bedarf keiner pseudomedizinischen Entgiftungsversprechen.
Häufige Fragen
Müssen Kinder während der Fastenzeit weniger essen?
Nein. Minderjährige unterliegen nicht dem katholischen Fastengebot zur Einschränkung der Nahrungsmenge. Kirchliche Kinderfachstellen raten von solchen Einschränkungen ab. Gemeinsames Teilen, Gebet oder freiwillige Medienpausen können altersgerechte Alternativen sein.
Sind Fisch und Meeresfrüchte an katholischen Abstinenztagen erlaubt?
Nach der österreichischen Buß- und Fastenordnung von 1994 verzichten Katholiken an Aschermittwoch und Karfreitag auf Fleischspeisen. Fisch und pflanzliche Speisen nennt sie nicht als Verzicht. Daraus folgt keine gesundheitliche Bewertung dieser Lebensmittel.
Ist christliches Fasten dasselbe wie Intervallfasten?
Nein. Christliches Fasten ist religiös ausgerichtet und umfasst auch Gebet und Teilen. Intervallfasten beschreibt wiederkehrende Nahrungspausen. Ein bestimmtes tägliches Essensfenster gehört nicht zu den hier beschriebenen katholischen Fastenregeln.
Weiterlesen
Woher wir das wissen
- Feste der Kirche - Die Fastenzeit | Diözese St. Pölten
- Codex des Kanonischen Rechtes, Cann. 1249 bis 1253 (Bußtage) | vatican.va
- Fragen und Antworten rund um die Fastenzeit | katholisch.at (Kathpress)
- Fasten und Kinder: Was ist zu beachten? | katholisch.at
- Fasten in der Alten Kirche | EKD
- Fastenzeit: Christliche Konfessionen fasten unterschiedlich | katholisch.at (Kathpress)
- Aschermittwoch 2027 | Kirchenjahr evangelisch
- Fasten | Gesundheitsportal
- S3-Leitlinie Screening, Diagnose und Behandlung alkoholbezogener Störungen (AWMF 076-001) | DGPPN
- Notruf und Ärztefunkdienst | Gesundheitsportal
Diese Informationen ersetzen keine ärztliche Beratung oder Behandlung. Bei Erkrankungen, Medikamenteneinnahme, Schwangerschaft, Stillzeit oder Essstörungen sollten Sie nicht auf eigene Faust fasten. Bei gesundheitlichen Fragen erreichen Sie in Österreich die Gesundheitsberatung unter 1450, bei einem medizinischen Notfall die Rettung unter 144 oder den Euronotruf unter 112.