TagesbogenFasten nach der Uhr

Die Phasen einer Fastenwoche verstehen

Kurz gesagt

  • Eine Fastenkur nach Buchinger umfasst Entlastung, Fastentage und Aufbautage; das Fastenbrechen verbindet die letzten beiden Phasen.
  • Die DGE gibt die Empfehlung der Ärztegesellschaft Heilfasten und Ernährung wieder: Standarddauer sieben bis zehn Fastentage plus ein Vorbereitungstag und drei Tage Normalisierung.
  • Schwangere, Stillende, Kinder und Menschen mit aktiven Essstörungen sollen nicht fasten; Erkrankungen und Medikamente verlangen vorherige ärztliche Abklärung.
  • Ein Phasenplan erklärt den Ablauf, ersetzt aber weder eine persönliche Eignungsprüfung noch fachliche Begleitung.

Für wen eine Fastenkur nicht geeignet ist

Erkrankung oder SituationEinordnung laut Leitlinie
Kachexienicht fasten (Kontraindikation)
Anorexia nervosanicht fasten (Kontraindikation)
dekompensierte Hyperthyreosenicht fasten (Kontraindikation)
fortgeschrittene zerebro-vaskuläre Insuffizienz bzw. Demenznicht fasten (Kontraindikation)
fortgeschrittene Leber- oder Niereninsuffizienznicht fasten (Kontraindikation)
Schwangerschaft und Stillzeitnicht fasten (Kontraindikation)
Suchterkrankungennur mit erfahrenen Fastenärztinnen und -ärzten
Diabetes mellitus Typ Inur mit erfahrenen Fastenärztinnen und -ärzten
Psychosennur mit erfahrenen Fastenärztinnen und -ärzten
bösartige Erkrankungennur mit erfahrenen Fastenärztinnen und -ärzten
fortgeschrittene koronare Herzerkrankungnur mit erfahrenen Fastenärztinnen und -ärzten
Netzhautablösungnur mit erfahrenen Fastenärztinnen und -ärzten
Ulcus ventriculi et/ut duodeninur mit erfahrenen Fastenärztinnen und -ärzten

Quelle: Ärztegesellschaft Heilfasten und Ernährung, Leitlinien zur Fastentherapie 2002, 3.1 Kontraindikationen für eine Fastentherapie; 3.2 Risikoindikationen bzw. -begleitdiagnosen für eine Fastentherapie (aerztegesellschaft-heilfasten.de)

Ein Heilfasten-Plan umfasst Entlastung, Fastentage, Fastenbrechen und anschließende Aufbautage mit schrittweiser Rückkehr zu fester Nahrung. Entscheidend sind die persönliche gesundheitliche Eignung und genügend Zeit für sämtliche Abschnitte dieser Fastenkur. Ein solcher Plan dient der Orientierung, ersetzt jedoch keine individuelle ärztliche Beratung oder Behandlungsempfehlung.

Vor einer Fastenkur: Schwangere, Stillende, Kinder und Menschen mit aktiven Essstörungen sollen keinesfalls fasten. Der noch nicht finale Entwurf der ÄGHE-Leitlinie von 2026 stuft auch frühere Essstörungen als absolute Kontraindikation ein. Bei Erkrankungen wie Diabetes sowie Leber- oder Nierenleiden und bei Dauermedikation brauchen Sie vorab ärztlichen Rat.

Beschrieben sind die Fastenphasen in der Konsensusleitlinie der Ärztegesellschaft Heilfasten und Ernährung (ÄGHE) von 2002. Diese Expertenempfehlung dient der methodischen Orientierung, belegt jedoch nicht jedes einzelne Gesundheitsversprechen. Begrenzt ist die wissenschaftliche Evidenz für langfristige Vorteile, da Heilfastenstudien meist Beobachtungsdaten statt kontrollierter Vergleiche liefern. Unbelegt sind laut dem österreichischen Gesundheitsportal Behauptungen über angebliche Entschlackung, Entgiftung oder Entsäuerung.

Wozu dienen Entlastungstage?

Entlastungstage bereiten den Übergang von gewohnter Kost zur stark reduzierten Energiezufuhr vor. Sie helfen dabei, den Tagesablauf anzupassen und die fachliche Betreuung vor dem Beginn zu organisieren. Für Entschlacken, Entgiften oder Entsäuern gibt es laut gesundheit.gv.at keine wissenschaftlichen Belege.

Die ÄGHE-Leitlinie von 2002 empfiehlt am Vortag leichte vegetarische Kost unter rund 1.000 kcal und den Verzicht auf Genussmittel. Diese Angabe dient als Orientierung im Ablauf und stellt keine starre Kalorienvorgabe für jeden Menschen dar. Klären Sie mit Ihrer Begleitung vorab, ob Kreislauf, Essverhalten oder Vorerkrankungen gegen den Beginn sprechen.

Planen Sie neben geeigneten Lebensmitteln und Getränken ausreichend Zeit für Ruhe sowie leichte Bewegung ein. Was zur Methode insgesamt gehört, erklärt der Beitrag über Heilfasten nach Buchinger.

Was unterscheidet Fastentage und Aufbautage?

Während der Fastentage entfällt feste Nahrung weitgehend, wodurch die tägliche Energiezufuhr stark abgesenkt bleibt. Aufbautage führen danach schrittweise zurück zu einer vollwertigen, bedarfsdeckenden Ernährung im Alltag. Beide Abschnitte gehören untrennbar zusammen und verlangen eine vorausschauende Zeitplanung vor dem Kurbeginn.

Die einzelnen Phasen erfordern unterschiedliche Vorbereitungen und klare Absprachen mit der betreuenden Fachkraft. Die Angaben stützen sich auf die DGE und die ÄGHE-Leitlinie von 2002.

Phase Ziel und Orientierung Fragen an die Betreuung Sicherheitsgrenzen
Entlastung Ernährung und Alltag auf die Fastenphase vorbereiten Sind Vorerkrankungen, Medikamente und Essverhalten ausreichend geklärt? Nicht ohne vorherige Eignungsprüfung beginnen
Fastentage Stark reduzierte Energiezufuhr; laut DGE höchstens 250 bis 500 kcal täglich Welche Trinkmenge, Bewegung und Ruhezeiten sind persönlich angemessen? Beschwerden nicht als notwendige Fastenkrise übergehen
Fastenbrechen Bewusster Übergang zur ersten festen Nahrung Wann erfolgt der Übergang, und wie wird die Verträglichkeit beurteilt? Nicht mit schwerer oder fettreicher Kost beginnen
Aufbautage Feste Nahrung und Energiezufuhr schrittweise steigern Wie werden Speisen vertragen, und wie gestaltet sich die weitere Kost? Nicht zugunsten zusätzlicher Fastentage verkürzen

Laut DGE empfiehlt die ÄGHE eine Standarddauer von sieben bis zehn Fastentagen plus einem Vorbereitungstag und drei Tagen zur Normalisierung. Eine vollständige Fastenkur beansprucht somit deutlich mehr Zeit als die reinen Fastentage allein. Diese zeitliche Orientierung rechtfertigt jedoch kein unbegleitetes Fasten in den eigenen vier Wänden.

Was bedeutet Fastenbrechen?

Fastenbrechen bezeichnet die erste bewusste Mahlzeit beim Ausstieg aus der reinen Fastenphase. Dieser Schritt leitet die schrittweise Rückkehr zu einer festen Ernährung im Alltag ein. Planen Sie dafür ausreichend Ruhe ein und vermeiden Sie einen überstürzten Wiedereinstieg.

Die ÄGHE-Leitlinie von 2002 nennt einen reifen, langsam gekauten Apfel oder Apfelkompott am letzten Fastentag. Für den Abend beschreibt sie eine Erdäpfelsuppe, danach eine leichte ovo-lacto-vegetarische, faserreiche Kost. Diese traditionellen Speisen dienen als bewährte Beispiele für den Beginn des Kostaufbaus.

Essen Sie achtsam und achten Sie darauf, wie Ihr Magen-Darm-Trakt die Kost verträgt. Weitere Hintergründe zu dieser Tradition finden Sie unter Bestandteile einer Buchinger-Kur.

Warum darf ich den Kostaufbau nicht beliebig abkürzen?

Nach der Fastenphase muss sich das Verdauungssystem erst wieder an feste Kost gewöhnen. Die Leitlinie beschreibt deshalb einen stufenweisen Kostaufbau. Eine gute Verträglichkeit beim ersten Bissen bedeutet noch keine problemlose Verdauung normaler Portionen.

Reservieren Sie die Tage für den Kostaufbau daher bereits vorab im persönlichen Kalender. Laut DGE gehören zu einer sieben- bis zehntägigen Standardkur drei Tage zur Normalisierung. Der Entwurf der ÄGHE-Leitlinie von 2026, der noch nicht final ist, nennt als Richtwert etwa ein Drittel der Fastentage und bei Fasten ab sieben Tagen mindestens drei Aufbautage.

Steigern Sie die Energiezufuhr nur stufenweise nach persönlicher Verträglichkeit und ärztlicher Absprache. Die ÄGHE-Leitlinie von 2002 beschreibt dafür eine stufenweise Steigerung von etwa 800 kcal am ersten bis etwa 1.600 kcal am vierten Aufbautag. Auf diese Weise gelingt die sichere Rückkehr zu einer vollwertigen Ernährungsweise im Alltag.

Welche Beschwerden verlangen Abbruch oder ärztliche Hilfe?

Brechen Sie das Fasten bei anhaltendem Schwindel, heftigem Erbrechen, Herzrhythmusstörungen oder unklaren Schmerzen sofort ab. Holen Sie unverzüglich ärztliche Hilfe, falls solche Symptome während des Fastens oder Kostaufbaus auftreten. Körperliche Beschwerden dürfen keinesfalls durch beharrliches Weiterfasten ignoriert oder ausgesessen werden.

Bei einem Kreislaufkollaps, bei Ohnmacht oder akuter Lebensgefahr rufen Sie in Österreich die Rettung unter 144. Schwindel, Kreislaufprobleme und Herzrhythmusstörungen zählt gesundheit.gv.at zu den möglichen Risiken des Fastens; tun Sie sie nicht als normale Fastenkrise ab. Bei gesundheitlichen Beschwerden ohne akute Lebensgefahr erreichen Sie in Österreich die telefonische Gesundheitsberatung unter der Rufnummer 1450.

Warum ist ein Phasenplan keine individuelle Dosierungsanleitung?

Ein allgemeiner Phasenplan berücksichtigt weder Vorerkrankungen noch die Wirkung verordneter Medikamente. Der persönliche Flüssigkeitsbedarf sowie erforderliche Laborkontrollen lassen sich aus standardisierten Richtwerten nicht ableiten. Dosierungen für Abführmittel, Medikamente oder Elektrolyte, also gelöste Mineralsalze, gehören daher immer in ärztliche Hände.

Die ÄGHE-Konsensusleitlinie von 2002 trennt Gegenanzeigen, Risikodiagnosen und problematische Medikationen in den Abschnitten 3.1 bis 3.3. Verändern oder pausieren Sie ärztlich verordnete Arzneimittel unter keinen Umständen eigenmächtig für ein Fastenvorhaben. Ein sicheres Heilfasten verlangt stets eine vorherige ärztliche Eignungsprüfung sowie eine verlässliche Erreichbarkeit der Betreuung.

Schritt für Schritt

  1. Eignung vorab klären

    Besprechen Sie Erkrankungen, Medikamente und aktuelle oder frühere Essstörungen vor jeder Fastenplanung ärztlich. Ändern Sie Medikamente nicht selbst.

  2. Den gesamten Zeitraum reservieren

    Planen Sie Vorbereitung und Aufbautage gemeinsam mit der Fastenphase. Klären Sie vorab, wer bei Beschwerden erreichbar ist.

  3. Versorgung und Tagesablauf vorbereiten

    Stimmen Sie Getränke, Brühe und Säfte mit der Betreuung ab. Berücksichtigen Sie Ruhezeiten und angepasste Bewegung.

  4. Übergang und Kostaufbau einplanen

    Bereiten Sie für das vereinbarte Fastenbrechen einen reifen Apfel oder Apfelkompott vor. Lassen Sie ausreichend Zeit für langsames Essen.

  5. Warnzeichen ernst nehmen

    Beenden Sie das Fasten bei anhaltendem Schwindel, heftigem Erbrechen, Herzrhythmusstörungen oder unklaren Schmerzen und holen Sie ärztliche Hilfe.

Häufige Fragen

Ist Heilfasten dasselbe wie Intervallfasten?

Nein. Heilfasten nach Buchinger reduziert die Energiezufuhr über mehrere aufeinanderfolgende Tage stark. Intervallfasten wechselt wiederholt zwischen Essenszeiten und Nahrungspausen. Die hier beschriebenen Phasen gehören zur Buchinger-Fastenkur.

Ist Heilfasten völlig kalorienfrei?

Nein. Buchinger-Heilfasten ist eine modifizierte Fastenform, also Fasten mit geringer Energiezufuhr. Brühe, Säfte und gegebenenfalls Honig liefern weiterhin Energie.

Kann eine Fastenkur dauerhaftes Abnehmen ersetzen?

Laut DGE ist Heilfasten zur dauerhaften Gewichtsabnahme nur bedingt geeignet. Es kann ein Anlass für eine langfristige Ernährungsumstellung sein, ersetzt diese aber nicht.

Weiterlesen

Woher wir das wissen

  1. Leitlinien zur Fastentherapie 2002 | Ärztegesellschaft Heilfasten und Ernährung
  2. Heilfasten | DGE
  3. Fasten | Gesundheitsportal
  4. Entwurf der ÄGHE-Leitlinie zur Langzeitfastentherapie, Kommentierungsphase (30.07.2026, nicht final)
  5. Notruf und Gesundheitsberatung | Gesundheitsportal
  6. 1450 Die Rund-um-die-Uhr-Gesundheitsberatung

Diese Informationen ersetzen keine ärztliche Beratung oder Behandlung. Bei Erkrankungen, Medikamenteneinnahme, Schwangerschaft, Stillzeit oder Essstörungen sollten Sie nicht auf eigene Faust fasten. Bei gesundheitlichen Fragen erreichen Sie in Österreich die Gesundheitsberatung unter 1450, bei einem medizinischen Notfall die Rettung unter 144 oder den Euronotruf unter 112.