TagesbogenFasten nach der Uhr

Fastenbrechen und Aufbautage: so endet eine Fastenwoche gut

Kurz gesagt

  • Das Fastenbrechen beginnt beim traditionellen Heilfasten meist mit einem langsam gekauten reifen Apfel oder Apfelkompott, am Abend folgt eine Kartoffelsuppe.
  • Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung nennt nach 7 bis 10 Fastentagen zusätzlich einen Vorbereitungstag und drei Tage zur Normalisierung des Essverhaltens.
  • Die Leitlinie der Ärztegesellschaft Heilfasten und Ernährung von 2002 nennt für die Aufbautage Richtwerte von 800, 1000, 1200 und 1600 Kilokalorien.
  • Bei Vorerkrankungen, Medikamenteneinnahme, Schwangerschaft, Stillzeit oder Essstörungen ist vor dem Kostaufbau ärztlicher Rat einzuholen.

Für wen eine Fastenkur nicht geeignet ist

Erkrankung oder SituationEinordnung laut Leitlinie
Kachexienicht fasten (Kontraindikation)
Anorexia nervosanicht fasten (Kontraindikation)
dekompensierte Hyperthyreosenicht fasten (Kontraindikation)
fortgeschrittene zerebro-vaskuläre Insuffizienz bzw. Demenznicht fasten (Kontraindikation)
fortgeschrittene Leber- oder Niereninsuffizienznicht fasten (Kontraindikation)
Schwangerschaft und Stillzeitnicht fasten (Kontraindikation)
Suchterkrankungennur mit erfahrenen Fastenärztinnen und -ärzten
Diabetes mellitus Typ Inur mit erfahrenen Fastenärztinnen und -ärzten
Psychosennur mit erfahrenen Fastenärztinnen und -ärzten
bösartige Erkrankungennur mit erfahrenen Fastenärztinnen und -ärzten
fortgeschrittene koronare Herzerkrankungnur mit erfahrenen Fastenärztinnen und -ärzten
Netzhautablösungnur mit erfahrenen Fastenärztinnen und -ärzten
Ulcus ventriculi et/ut duodeninur mit erfahrenen Fastenärztinnen und -ärzten

Quelle: Ärztegesellschaft Heilfasten und Ernährung, Leitlinien zur Fastentherapie 2002, 3.1 Kontraindikationen für eine Fastentherapie; 3.2 Risikoindikationen bzw. -begleitdiagnosen für eine Fastentherapie (aerztegesellschaft-heilfasten.de)

Fastenbrechen bezeichnet den geplanten Übergang von einer Phase des Nahrungsverzichts zurück zu fester Nahrung. Nach dem Heilfasten folgen mehrere strukturierte Aufbautage, an denen Sie die Mahlzeiten schrittweise vergrößern. Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung nennt nach einer Standarddauer von 7 bis 10 Fastentagen drei Tage zur Normalisierung des Essverhaltens.

Für wen braucht das Fastenbrechen ärztliche Begleitung?

Bei Vorerkrankungen, Medikamenteneinnahme, Schwangerschaft, Stillzeit oder Essstörungen ist dieser Plan keine Anleitung zur Selbstbehandlung. Besprechen Sie den Übergang vorab mit Ihrer behandelnden Ärztin oder Ihrem Arzt bei Erkrankungen von Herz, Nieren, Leber oder Stoffwechsel. In der Schwangerschaft, während der Stillzeit sowie bei bestehenden Essstörungen ist jedes Fasten medizinisch kontraindiziert.

Nach einer längeren Phase der Mangelernährung kann die Wiederernährung ein Refeeding-Syndrom auslösen, mit Elektrolytstörungen (vor allem Phosphat), Ödemen und Organfunktionsstörungen. Das Risiko steigt laut Universitätsklinikum Freiburg, je länger wenig gegessen wurde und je niedriger das Gewicht ist; bei Magersucht ist es besonders ausgeprägt. Betroffene benötigen eine medizinische Betreuung mit Kontrolle der Elektrolyte. Wie häufig es nach einer kurzen Fastenkur bei Gesunden auftritt, ist in den genutzten Quellen nicht beziffert.

Gesichert ist das Refeeding-Syndrom als Komplikation nach Mangelernährung (Übersichtsarbeit von 2021). Begrenzt ist die Evidenz für den Nutzen einer ganz bestimmten Speisenfolge nach einer kurzen Fastenwoche. Die Empfehlungen der Ärztegesellschaft Heilfasten und Ernährung, kurz ÄGHE, stellen einen fachlichen Konsens dar; randomisierte Studien zur Zusammenstellung der Aufbautage sind in den genutzten Quellen nicht genannt.

Wissenschaftlich unbelegt ist die Behauptung, der erste Apfel würde den menschlichen Körper von Grund auf entgiften. Körperliche Beschwerden bei der ersten Nahrungsaufnahme sind ernsthafte Warnsignale, denn eine Entschlackung durch Fasten ist wissenschaftlich nicht belegt.

Wie läuft das Fastenbrechen ab?

Beim traditionellen Heilfasten nach Buchinger beendet meist ein reifer roher Apfel oder gedämpftes Apfelkompott die reine Fastenzeit. Nehmen Sie sich für diesen ersten Bissen bewusst Zeit und kauen Sie gründlich. Am Abend des Fastenbrechens nennt die Leitlinie der ÄGHE aus dem Jahr 2002 eine Erdäpfelsuppe.

Die Leitlinie beschreibt, dass der Apfel langsam und lange kauend gegessen wird. Für eine reinigende Wirkung des Apfels gibt es keine wissenschaftlichen Belege.

Kaufen Sie die benötigten Lebensmittel am besten schon vor dem eigentlichen Fastenbrechen in Ruhe ein. Reife Äpfel, mehlige Erdäpfel, Karotten, frische Kräuter und zarte Haferflocken bilden eine gut verträgliche Grundlage für die Vorratskammer. Wie sich dieser Übergang in die gesamte Fastenkur einfügt, zeigt die Übersicht über die Phasen einer Fastenwoche.

Wie viele Aufbautage braucht man?

Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung nennt nach einer Standardfastendauer von 7 bis 10 Tagen einen Vorbereitungstag davor und drei Tage zur Normalisierung des Essverhaltens danach. Die Leitlinie der ÄGHE von 2002 empfiehlt als sinnvolle Mindestdauer 8 bis 10 Fastentage plus einen Entlastungstag vorher und drei Aufbautage danach. Für die ersten vier Aufbautage gibt sie Energiestufen an, bei der Fastenwoche für Gesunde sind zwei Aufbautage vorgesehen. Diese Richtwerte dienen der Orientierung in Fastengruppen und ersetzen keine individuelle medizinische Freigabe bei gesundheitlichen Einschränkungen.

Während dieser Übergangstage steigern Sie die tägliche Energiezufuhr behutsam in festen Stufen. Die Kalorienstaffelung beruht auf den historischen Vorgaben der ÄGHE-Konsensusleitlinie aus dem Jahr 2002. Diese Zahlen stellen Richtwerte zur Schonung der Verdauungsorgane dar und eignen sich keineswegs zur dauerhaften Reduktionsdiät.

Nach längerem Fasten, starkem Gewichtsverlust oder Kreislaufbeschwerden reicht ein pauschales Schema keinesfalls aus. Lassen Sie die genaue Dauer und die Portionsgrößen in solchen Fällen von ärztlichem Fachpersonal individuell festlegen. Verkürzen Sie die Aufbauphase keinesfalls eigenmächtig, selbst wenn sich bereits am zweiten Tag wieder kräftiger Appetit einstellt.

Was isst man an den Aufbautagen?

Als Grundlage nennt die Leitlinie eine leichte, faserstoffreiche ovo-lacto-vegetarische Kost, also pflanzenbetont mit Milchprodukten und Eiern, mit Vollgetreide, Backpflaumen und gegebenenfalls Leinsamen. Empfohlen werden mehr ungesättigte Fette aus kaltgepressten Pflanzenölen und wenig gesättigte Fette, dazu langsames, bewusstes Kauen. Fleisch ist in dieser Kost nicht vorgesehen.

Die Energierichtwerte für die Aufbautage stammen aus der ÄGHE-Leitlinie von 2002. Die genannten Gerichte dienen als Mahlzeitenbeispiele, da wissenschaftlich validierte Grammangaben für diese Rezepte nicht publiziert sind.

Aufbautag Energierichtwert laut ÄGHE 2002 Beispiel für die Mahlzeitenplanung Warnzeichen
Erster Aufbautag 800 kcal Reifer roher Apfel oder Apfelkompott; abends eine milde Erdäpfelsuppe Anhaltende Krämpfe, Erbrechen oder starker Schwindel
Zweiter Aufbautag 1000 kcal Warmer Haferbrei, gedünstetes Wurzelgemüse mit Erdäpfeln; etwas Naturjoghurt Schwellungen (Ödeme), etwa an den Knöcheln
Dritter Aufbautag 1200 kcal Müsli mit Obst, Gemüseteller mit Reis oder Hirse; Vollkornbrot mit etwas Topfen Muskelkrämpfe oder Herzrhythmusstörungen
Vierter Aufbautag 1600 kcal Getreideflocken, milder Erdäpfel-Gemüse-Auflauf; Rohkost mit Kräutertopfen und Brot Wiederholtes Erbrechen oder Verwirrtheit

Trinken Sie zwischen den Mahlzeiten weiter ausreichend, die Leitlinie nennt das ausdrücklich. Bestehen Vorerkrankungen an Herz oder Nieren, muss die Trinkmenge ärztlich festgelegt werden.

Welche Fehler sind beim Fastenbrechen häufig?

Viele Fastende neigen dazu, das Fastenbrechen unbewusst als Startsignal für üppige Mahlzeiten zu nutzen. Fettreiche, stark gewürzte oder zuckerhaltige Speisen überfordern den ruhenden Verdauungstrakt jedoch empfindlich. Fleisch und Eiweißpulver sind in der beschriebenen Aufbaukost nicht vorgesehen.

Ein weiterer verbreiteter Fehler besteht im voreiligen Griff zu Abführmitteln, wenn die Darmtätigkeit nur zögerlich anspringt. Laut der Leitlinie der ÄGHE von 2002 sollte spätestens am dritten bis vierten Aufbautag eine spontane Darmentleerung erfolgen. Verzichten Sie nach dem ersten Essen auf Glaubersalz, Bittersalz oder andere drastische Abführmethoden in Eigenregie.

Zunehmende Bauchschmerzen, sichtbare Schwellungen an den Beinen oder Schwindelgefühle dürfen Sie jedoch keinesfalls ignorieren. Erzwingen Sie bei Appetitlosigkeit keine großen Portionen und fasten Sie bei Beschwerden keinesfalls einfach weiter.

Bei welchen Warnzeichen muss ich den Plan unterbrechen?

Holen Sie noch am selben Tag ärztlichen Rat ein, wenn Übelkeit, krampfartige Bauchschmerzen oder Schwellungen an den Knöcheln anhalten. Dasselbe gilt, wenn über den vierten Aufbautag hinaus kein Stuhlgang erfolgt und quälendes Völlegefühl auftritt. In Österreich bietet die Gesundheitsberatung unter der Rufnummer 1450 rund um die Uhr eine erste Beratung; die Ärztenotdienst-Nummer ist 141.

Wählen Sie bei akuter Atemnot, plötzlichem Herzrasen oder unregelmäßigem Puls sofort den Notruf 144 oder 112. Verwirrtheit und Bewusstseinsstörungen sind Notfälle. Beenden Sie bei solchen Symptomen sofort den eigenständigen Kostaufbau und warten Sie auf das Eintreffen des Rettungsdienstes.

Schritt für Schritt

  1. Voraussetzungen klären

    Besprechen Sie Vorerkrankungen, Ihre Dauermedikation und die geplante Fastendauer vorab mit Ihrer behandelnden Ärztin oder Ihrem Arzt.

  2. Einfache Speisen vorbereiten

    Besorgen Sie reife Äpfel, mehlige Erdäpfel, Karotten und zarte Haferflocken für die ersten Mahlzeiten in der eigenen Küche.

  3. Mahlzeiten behutsam steigern

    Beginnen Sie am ersten Tag mit kleinen Portionen und kauen Sie jeden Bissen gründlich und ohne Zeitdruck.

  4. Körpersignale richtig deuten

    Unterbrechen Sie den Kostaufbau bei anhaltenden Schmerzen oder Schwellungen und rufen Sie bei akuter Atemnot sofort 144.

Häufige Fragen

Braucht man nach dem Basenfasten ebenfalls ein Fastenbrechen?

Nein. Beim Basenfasten essen Sie weiterhin feste Nahrung wie Gemüse, Obst und Erdäpfel. Ein klassisches Fastenbrechen wie nach rein flüssiger Nahrungskarenz entfällt daher. Die hier beschriebenen Energierichtwerte beziehen sich auf den Kostaufbau nach echtem Heilfasten und eignen sich nicht als Anschlussplan für Basenwochen.

Sind Eiweißshakes für den Kostaufbau nach dem Fasten nötig?

Nein. Die Leitlinie beschreibt für die Aufbautage eine leichte, faserstoffreiche ovo-lacto-vegetarische Kost, Eiweißpulver sind darin nicht vorgesehen. Bei einer vorbestehenden Mangelernährung gehört die Wiederernährung in erfahrene klinische Hände.

Soll ich entwässernde Medikamente zum Fastenende wieder nehmen?

Setzen Sie Blutdrucksenker oder wassertreibende Medikamente keinesfalls eigenmächtig wieder an. Dasselbe gilt für Insulin und blutzuckersenkende Tabletten bei Diabetes. Jede Anpassung Ihrer Medikation während des Kostaufbaus muss im Vorfeld verbindlich mit Ihrer behandelnden Ärztin oder Ihrem Arzt abgesprochen werden.

Weiterlesen

Woher wir das wissen

  1. Leitlinien zur Fastentherapie (Fassung 2002) | Ärztegesellschaft Heilfasten und Ernährung
  2. Heilfasten | DGE
  3. Fasten: Nutzen, Risiken und Hintergründe aus ernährungsphysiologischer Perspektive | ÖGE
  4. Fasten | Gesundheitsportal Österreich
  5. Refeeding Syndrom | Universitätsklinikum Freiburg, Sektion Ernährungsmedizin
  6. Refeeding-Syndrom: Pathophysiologie, Therapie und besonders gefährdete Rheumapatienten (2021)
  7. Gesundheitsberatung 1450
  8. Notrufnummern | oesterreich.gv.at

Diese Informationen ersetzen keine ärztliche Beratung oder Behandlung. Bei Erkrankungen, Medikamenteneinnahme, Schwangerschaft, Stillzeit oder Essstörungen sollten Sie nicht auf eigene Faust fasten. Bei gesundheitlichen Fragen erreichen Sie in Österreich die Gesundheitsberatung unter 1450, bei einem medizinischen Notfall die Rettung unter 144 oder den Euronotruf unter 112.